Diese Seite ist kein Panikmacher. Sie ist ein Handlauf.
Wenn der Staat vor deiner Tür steht, entscheidet nicht Mut – sondern Struktur. Wer vorbereitet ist, verliert weder den Kopf noch seine Rechte.
Die folgenden Abschnitte sind bewusst klar getrennt, kurz lesbar und einzeln durchscrollbar. Jeder Block steht für sich. Du kannst hier anfangen, aufhören, später weitermachen. Genau so, wie Freiheit funktioniert.
Die Kurzform – wenn du nur 3 Dinge mitnimmst
Nicht jeder hat Zeit, sich tief einzuarbeiten. Wenn du heute nur eine Stunde hast, konzentriere dich auf diese drei Punkte. Sie verhindern die häufigsten und gravierendsten Fehler – und verschaffen dir im Ernstfall sofort Luft.
- Biometrische Entsperrung deaktivieren (Face-ID / Fingerabdruck).
- Nichts unterschreiben, nichts freiwillig herausgeben.
- Keine Aussagen machen – auch nicht nebenbei, auch nicht freundlich.
Alle weiteren Details auf dieser Seite vertiefen diese Grundhaltung. Aber schon diese drei Regeln allein machen einen enormen Unterschied.
Prävention – bevor es ernst wird
Hausdurchsuchungen eskalieren selten wegen der Maßnahme selbst. Sie eskalieren, weil Menschen überrascht werden, emotional reagieren oder im Stress Dinge tun, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Prävention bedeutet deshalb nicht Angst, sondern Vorbereitung. Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig.
Konkret heißt das:
- Biometrische Entsperrung auf allen Geräten deaktivieren.
- Die Telefonnummer eines Anwalts handschriftlich auf Papier bereithalten.
- Mit Familie oder Mitbewohnern offen über den Ernstfall sprechen.
- Mit Kindern ruhig durchsprechen, wie man sich verhält – Nervosität ist der größte Risikofaktor.
- Sich selbst mental vorbereiten: ruhig sprechen, langsam handeln, keine spontanen Entscheidungen.
Das Ziel ist nicht, alles zu kontrollieren. Das Ziel ist, keinen Kontrollverlust zu erleiden.
Die ersten Sekunden – Verhalten klären
Die ersten Minuten entscheiden oft darüber, wie der gesamte Einsatz verläuft. Nicht juristisch – menschlich. Tonfall, Tempo und Auftreten wirken stärker als jedes Argument.
Wichtig ist deshalb vor allem eines: Ruhe.
- Ruhig bleiben, höflich bleiben, sachlich bleiben.
- Keine Provokationen – weder von dir noch als Reaktion.
- Kein Widerstand, weder körperlich noch verbal.
- Handy nicht entsperren, keine Codes herausgeben.
- Keine Beweismittel vernichten – das verschärft die Lage massiv.
Du musst nichts erklären. Du musst nichts rechtfertigen. Du musst lediglich vermeiden, dich selbst zu schädigen.
Rechtsgrundlage prüfen – ohne Diskussion
Du hast das Recht zu prüfen, warum die Maßnahme stattfindet. Du hast nicht die Pflicht, darüber zu diskutieren.
Sachlich vorgehen:
- Namen und Dienststellen der Beamten notieren.
- Den Durchsuchungsbeschluss aushändigen lassen.
- Kurz prüfen:
- Stimmt die Adresse?
- Welche Räume sind genannt?
- Welche Gegenstände werden gesucht?
- Ist der Beschluss zeitlich noch gültig?
- Eine Kopie verlangen und behalten.
Anschließend klar, ruhig und hörbar erklären:
„Ich widerspreche dieser Maßnahme."
Dieser Satz ist kein Affront. Er ist eine rechtliche Positionsmarkierung. Mehr musst du an dieser Stelle nicht sagen.
Rechtliche Unterstützung organisieren
Ein Anwalt stoppt die Durchsuchung selten – aber er verhindert Folgeschäden.
- Eigenen Anwalt anrufen (wenn vorhanden).
- Nummer nicht im eigenen Handy suchen, sondern auf Papier haben.
- Falls nötig: Telefon eines Beamten oder Festnetz nutzen.
- Falls kein Anwalt vorhanden: Strafverteidiger-Notdienst vorbereiten.
- Auf Wunsch einen Zeugen hinzuziehen.
Warten dürfen sie verweigern. Bitten darfst du trotzdem.
Während der Durchsuchung – Disziplin
Während der eigentlichen Durchsuchung ist Selbstdisziplin entscheidend. Nicht Aktivität schützt dich – Zurückhaltung tut es.
Das bedeutet:
- Keiner freiwilligen Mitwirkung zustimmen.
- Nichts unterschreiben.
- Keine Passwörter, PINs oder Entsperrungen preisgeben.
- Keine Versprechen glauben, die Kooperation belohnen sollen.
- Jeder einzelnen Beschlagnahme ausdrücklich widersprechen.
- Keine Aussagen zur Sache machen – auch nicht im Smalltalk.
Höflichkeit ist sinnvoll. Gesprächigkeit ist gefährlich.
Umgang mit beschlagnahmten Gegenständen
Wenn Dinge mitgenommen werden:
- Kopien wichtiger Unterlagen verlangen.
- Vollständiges Beschlagnahmeprotokoll fordern.
- Niemals unterschreiben.
Unterschriften sind Einverständnisse – egal, wie harmlos sie wirken.
Vernehmung – fast immer freiwillig
Vernehmungen kommen oft am Ende.
- Aussage verweigern.
- Nichts unterschreiben.
- Nachfrage: „Bin ich festgenommen?"
- Wenn nein: nicht mitfahren.
- Alternativ: späterer Termin über Anwalt.
Freiwilligkeit ist kein Vorteil. Sie ist eine Falle.
Erkennungsdienstliche Maßnahmen
Immer dieselbe Regel:
- Fragen: freiwillig?
- Wenn ja: verweigern.
- Wenn nein: widersprechen und protokollieren lassen.
- Nicht körperlich wehren.
Widerspruch schützt – Widerstand schadet.
Danach – aufarbeiten statt verdrängen
Nach der Maßnahme beginnt der eigentlich wichtige Teil. Jetzt geht es darum, wieder Kontrolle zu gewinnen – strukturiert und überlegt.
- Schäden dokumentieren.
- Ein Gedächtnisprotokoll anfertigen.
- Die Rechtmäßigkeit der Durchsuchung prüfen lassen.
- Unterstützung suchen – juristisch und öffentlich.
- Vor Veröffentlichungen von Dokumenten immer Rücksprache mit dem Anwalt halten.
Eine Hausdurchsuchung ist kein Schuldeingeständnis. Sie ist eine staatliche Maßnahme. Und Maßnahmen darf – und sollte – man überprüfen lassen.
Ein letzter Gedanke
Hausdurchsuchungen sind keine Ausnahmen mehr. Sie sind Teil eines Systems, das mit Daten, Zugriffspfaden und Einschüchterung arbeitet.
Freiheit bedeutet deshalb heute nicht, dem Staat blind zu vertrauen oder ihn reflexhaft abzulehnen. Freiheit bedeutet, vorbereitet zu sein. Rechte zu kennen. Und sie ruhig zu nutzen.
Zwischen staatlicher Willkür und dir steht kein Zufall. Dort stehen Wissen, Struktur und Haltung. Genau dafür gibt es diese Seite – und genau dafür gibt es die Freiheitskanzlei.